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#klargestellt

schwul (Adj.)

Schwul ist eine sexuelle Orientierung. Der Begriff bezeichnet vor allem Männer, die sich emotional und/oder sexuell zu anderen Männern hingezogen fühlen. Einige nicht-binäre Personen verwenden schwul ebenfalls als Selbstbezeichnung, wenn ihre Anziehung primär Männern gilt. Der Ausdruck wird seit den 1970er Jahren als Selbstbezeichnung und Kampfbegriff genutzt (GRA, 2015).

Wortherkunft und (Selbst-)Verständnis

Die Herkunft des Wortes schwul lässt sich auf das Niederdeutsche swōl oder swūl (DWDS, o.D.) zurückführen, welches „drückend heiß“ bedeutete (GRA, 2015). Bei der Übernahme ins Hochdeutsche zu Beginn des 18. Jahrhunderts veränderte sich das Wort zu schwül, vermutlich in Anlehnung an das Gegenteil kühl (DWDS, o.D.). Gleichzeitig kristallisierte sich zu dieser Zeit in der Umgangssprache die abschätzige Bezeichnung „warmer Bruder“ oder auch nur „Warmer“ für homosexuelle Männer heraus (Grimm,1854; GRA, 2015). Diese beruht wahrscheinlich auf der Nutzung des Wortes warm als Synonym für Charaktereigenschaften wie Lebenslust, Wollust, Temperament, Gefühlvollheit, Empfindlichkeit und Herzlichkeit (Grimm, 1854). Warm wurde in dieser Form bereits in den 1790er Jahren genutzt (Grimm, 1854). Durch die Assoziation des Begriffs schwül mit diesen Metaphern, die Wärme und Homosexualität verbanden, nahm das Wort schwul in seiner ursprünglichen Form ohne Umlaute zu Beginn des 20. Jahrhunderts die bis heute bekannte Konnotation an (QuelleGrimm, 1854; DWDS, o.D.).

Bis in die 1970er Jahre hinein wurde schwul häufig abwertend gebraucht. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde die gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität von Institutionen wie Kirche, Staat und Medizin stigmatisiert und kriminalisiert. So wurde sie bis 1990 in den internationalen Klassifikationen der Krankheiten (ICD) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine „psychische Krankheit“ oder „Persönlichkeitsstörung“ (WHO, 2018) eingestuft. Erst im Laufe der 1990er Jahre wurde Homosexualität schrittweise entpathologisiert und von entsprechenden Registern gestrichen (Will, 2023). Diese Entscheidung wurde als Antwort auf vehementen Aktivismus aus der LSBTTIAQ+ Community gefällt. Unter anderem sprach die „Association of Gay and Lesbian Psychiatrists“ (AGLP) explizit an, dass nicht-heteronormative Sexualitäten keinen Platz auf Krankheitsregistern haben (Nakajima 2003).

Dem voraus gingen jedoch gesellschaftliche Veränderungen im Zuge der Kulturrevolution und der roteste der späten 1960er: Homosexuelle Männer und Frauen eigneten sich die Bezeichnung schwul bewusst an und machten sie zu einem Ausdruck ihrer Identität und Zugehörigkeit zur schwulen Community (GRA, 2015). So entwickelte sich der Begriff zunehmend zu einem positiven Selbstbild, das über die reine Beschreibung der sexuellen Orientierung hinausging.


Gesellschaftlicher Diskurs: Zwischen gesteigerter Akzeptanz und fortwährender Diskriminierung

Seit den 1970er Jahren konnte die LGBTQ+Bewegung einiges erreichen. Im Mittelpunkt ihrer Anliegen stehen häufig Sichtbarkeit und Akzeptanz. Besonders für schwule und lesbische Personen war die Einführung der Ehe für Alle im Jahr 2017 (Mair, Bräutigam & Sindram, 2017) ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg zur rechtlichen Gleichstellung. Diese gesetzliche Veränderung symbolisiert nicht nur einen rechtlichen Fortschritt, sondern stärkt auch das gesellschaftliche Bewusstsein.

Der Ipsos LGBTQ+ Pride Record, bei dem Personen im Alter von 16 bis 74 Jahren aus 26 verschiedenen Ländern zu Marktforschungszwecken zu ihrer Meinung gegenüber LGBTQ+-Thematiken befragt wurden, zeigt, dass diese Entwicklung auf breite Zustimmung trifft: Drei Viertel der Deutschen sprechen sich dafür aus, dass Lesben, Schwule und Bisexuelle (78 %) sowie Transpersonen (75 %) wirksam vor Diskriminierung geschützt werden sollten (Ipsos, 2025).

Dennoch existieren weiterhin Diskriminierung und Ausgrenzung im Alltag und in institutionellen Strukturen. Vorurteile und abwertende Äußerungen sind besonders in der Jugendsprache noch weit verbreitet, und der Begriff „schwul“ wird häufig als Beleidigung genutzt.

Auch im öffentlichen Diskurs wird klar, dass homofeindliche Vorurteile weiterhin existieren. Wie etwa in einer Aussage, die der aktuelle Bundeskanzler Friedrich Merz im Jahr 2020 in einem Interview für Bild live tätigte. Auf die Frage nach einem möglichen schwulen Bundeskanzler sagte er: „Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht –, ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion“ (Vooren, 2020). Diese Aussage suggeriert eine falsche und schädliche Verknüpfung von Homosexualität (von Männern) und Pädophilie.

Eine solche spiegelt sich auch in einer aktuellen Umfrage: Laut einer Erhebung der Robert Bosch Stiftung aus dem Jahr 2025 stimmen ein Viertel der Befragten der Aussage zu „Homosexuelle und eigene Kinder, das passt einfach nicht zusammen“. 22 % der Befragten geben an, dass sie es für „ekelhaft“ halten, wenn sich Homosexuelle in der Öffentlichkeit küssen (Arant et al., 2025, S. 19). Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Diskriminierung und ablehnende Haltungen gegenüber schwulen Personen trotz gesellschaftlicher Fortschritte nach wie vor präsent sind.

Sichtbarkeit und mediale Repräsentation schwuler Themen sind wichtige Bausteine um Vorurteile abzubauen, gesellschaftliche Akzeptanz zu erhöhen und schwule Menschen zu empowern. Wie im Fall des ehemaligen US-amerikanischen Eishockeyspielers Jesse Kortuem, welcher sich nach dem Erfolg der queeren Dramaserie Heated Rivalry (2025) selber für ein öffentliches Coming-Out entschied (Schwulissimo o. D.).

 

Stand: Mai 2026


Quellen

Das Glossar soll sich im gegenseitigen Austausch mit Leser*innen weiterentwickeln.

Wir stellen regelmäßig unter dem #klargestellt die Definition eines Begriffs zur Diskussion. Sie haben Fragen oder Anregungen? Diskutieren Sie mit und tragen Sie zu einem besseren Verständnis der Begriffe bei! Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen an: shk.gleichstellung@tu-dortmund.de

 

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